Typische Aufgaben
Die wohl klassischste Frage an UnfallanalytikerInnen ist, wie schnell ein Fahrzeug beim Unfall war. Häufig schließt sich die Frage an, was passiert wäre, wenn der oder die Unfallbeteiligte die zulässige Geschwindigkeit eingehalten hätte, sofern die Analyse eine Überschreitung ergeben hat.
Im Tagesgeschäft stellen sich aber auch vielerlei weitere Fragen. So müssen beispielsweise Ampelschaltungen in die Rekonstruktion eingebunden werden, wenn ein Rotlichverstoß im Raum steht. Viele Fälle drehen sich aber auch um die auf den ersten Blick leichte Fragen, wer auf dem Supermarktplatz dem anderen reingefahren ist („Wer war in Bewegung?“), oder auf mehrstreifigen Straßen, wer den Fahrstreifen gewechselt hat. Zur Beantwortung dieser Fragen stehen uns einerseits Dokumentationen zahlreicher – vielfach selbstdurchgeführter – Versuche zur Verfügung. Andererseits können wir auch Versuche selbst durchführen. Dafür steht uns z. B. die Crashanlage der Technischen Universität Berlin zur Verfügung, zu der nach wie vor gute Verbindungen bestehen.
Unfälle mit Radfahrern enden häufig tödlich, vor allem, wenn Lkw beteiligt sind. Daher haben wir intensiv auf dem Gebiet der Unfälle zwischen Radfahrern und rechts abbiegenden Lkw geforscht.
Unfällen mit Rechtsabbiegern: Sichtverhältnisse ausschlaggebend
Bei Unfällen mit Rechtsabbiegern sind die Sichtverhältnisse ausschlaggebend. Es ist zu prüfen, ob und gegebenenfalls wann man aus dem Lkw oder dem Bus den Radfahrer sehen konnte. Es steht außer Frage, dass durch das Abbiegen die Sicht auf den vorher parallel laufenden Radweg beeinträchtigt wird, bis dieser schließlich überhaupt nicht mehr einzusehen ist. Daher ist es wichtig, die Annäherung von beiden Unfallbeteiligten zu untersuchen und zu klären, ob der Radfahrer möglicherweise die ganze Zeit im sogenannten Toten Winkel gefahren sein kann.
Wird ein Radfahrer von einem Pkw erfasst, ist es besonders wichtig, zu klären, in welchem Winkel der Anstoß erfolgte. Das geht am Besten, wenn man Fahrrad und Pkw aneinander stellen kann. Fast immer lassen sich dabei die einzelnen Spuren am Pkw bestimmten Teilen am Fahrrad zuordnen, so dass der Winkel, in dem PKw und Fahrrad kollidierten, sehr genau bestimmt werden kann.
Fußgängerunfälle
Gerade innerstädtisch kommt es beim Überqueren von Fahrbahnen zu Unfällen zwischen Fußgängern und Kraftfahrzeugen (Lkw, Pkw, Motorräder). Aber auch Radfahrer – Fußgängerunfälle nehmen an Bedeutung zu. Typisch dabei ist, dass die Spuren viel schwächer ausgeprägt sind als bei Fahrzeug – Fahrzeug – Unfällen. Daher kommt es hier besonders auf akribische Spurensicherung und -auswertung an. Zur Rekonstruktion steht uns auch hier eine große Versuchsdatenbank zur Verfügung.
Weitere Unfallarten
Es würde hier den Rahmen sprengen, alle weiteren Unfallarten zu beschreiben. Wir sind in der Lage, mit allen Unfällen umzugehen, die sich im Straßenverkehr ereignen.
Simulationsprogramme
Simulationsprogramme haben eine immense Bedeutung in der Unfallrekonstruktion erlangt. Sie verfügen in der Regel über ausgefeilte Darstellungsmöglichkeiten. Die Rechenergebnisse können als Videosimulation abgespeichert oder in verschiedenen Ansichten dargestellt werden. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ergebnis einer Simulation von der Güte seiner Eingangsgrößen abhängt.
Wenn man die Bewegungen der Fahrzeuge unmittelbar nach der Kollision und ihre Endstellungen nicht kennt und mangels Spuren nicht ermitteln kann, lässt sich auch durch ausgefeilte Simulationen keine sichere Lösung ermitteln. Auch darf nicht übersehen werden, dass Simulationsprogrammen ein konkreter Zahlenwert für die Berechnung vorgegeben wird. Es gibt aber stets eine Bandbreite – auch bei noch so guten Eingangsgrößen. Bei einem Unfall lässt sich die Geschwindigkeit keinesfalls auf einen einzelnen Wert, womöglich sogar auf eine Kommastalle genau festlegen. Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten sind im Übrigen die gleichen, wie bei einfachen grafischen Verfahren. Ein Gutachten, welches ohne Simulationsprogramm auskommt, ist daher nicht automatisch schlechter oder gar falsch.
Die gängigsten Programme sind PcCrash, AnalyzerPro und VirtualCrash. In der Industrie und an Universitäten kommen zahlreiche weitere Programme zum Einsatz, die für Sachverständige in der Regel nicht von Interesse sind, da sie mehr für die Unfallforschung, z. B. im Rahmen der strukturellen Fahrzeugkonstruktion eine Rolle spielen. Die Unfallforschung setzt aber auf der Unfallrekonstruktion auf. Denn erst mal muss man einen Unfall rekonstruieren, bevor man sich Gedanken machen kann, wie man seine Folgen mindert oder ihn ganz vermeidet.
Rekonstruktion mit Hilfe des Fahrtenschreibers
Der UDS liefert Daten
Der Unfalldatenspeicher, kurz: UDS- ist ein elektronisches, völlig autarkes Gerät, das nachträglich im Fahrzeug montiert werden kann. Der UDS zeichnet u.a. die Geschwindigkeit des Fahrzeugs, aber auch das Betätigen z.B. von Blinker und Bremse auf. Ferner verfügt der UDS über Sensoren, mit denen die Beschleunigung in Längs- und in Querrichtung zum Fahrzeug gemessen wird. Bei Polizeifahrzeugen wird darüber hinaus erfasst, ob Signalhorn oder Blaulicht in Betrieb waren.

Aufzeichnungen des UDS
