Typische Fragen
Gutachten
Forschung
Beratung
Über uns
Kontakt
Impressum

Straßenbahnunfall

Unfälle mit Straßenbahnen enden für Fußgänger oft tödlich. Stoßen Straßenbahnen mit anderen Fahrzeugen zusammen, entstehen in aller Regel umfangreiche Sachschäden, nicht selten werden auch die Insassen verletzt.

Inzwischen sind sämtliche Straßenbahnen mit einer Art Fahrtenschreiber ausgerüstet, was die Rekonstruktion des Unfallhergangs erheblich erleichtert. Die Geräte zeichnen u.a. die Geschwindigkeit auf. Außerdem wird erfasst, ob z.B. die Warnglocke oder die Bremse betätigt wurde. In Berlin können diese Geräte allerdings nur von den öffentlichen Verkehrsbetrieben (BVG) ausgelesen werden.

Rekonstruktion mit Hilfe des Fahrtenschreibers

Obwohl die Aufzeichnung auch eine Uhrzeit enthält, ist diese nicht geeignet, detailliert die Bewegung der Straßenbahn zu analysieren.

Anders als z.B. bei einem UDS erfolgt die Aufzeichnung nicht in Abhängigkeit von der Zeit sondern in Abhängigkeit von der zurückgelegten Strecke. Man muss also einige Berechnungen durchführen, bevor man etwas zum zeitlichen Ablauf des Unfalls sagen kann. Kennt man die Endstellung der Straßenbahn, lassen sich rückwärts einzelne Punkte der Aufzeichnung nachvollziehen. So kann man z.B. genau bestimmen, wo sich die Straßenbahn befand, als die Notbremsung eingeleitet wurde.

Straßenbahnen erreichen im Gegensatz zum Pkw nur geringe Verzögerungen, benötigen also eine wesentlich längere Strecke, um zum Stehen zu kommen. Das haben wir u.a. im Rahmen einer Studienarbeit untersucht. Während moderne Kraftfahrzeuge auf trockener Fahrbahn mit 8 m/s² und mehr verzögern können, erreichen Straßenbahnen nur selten mehr als 3 m/s². Kommt ein PKW bei einer Vollbremsung aus 50 km/h nach 12 Metern zum Stehen, hat die Straßenbahn bei gleicher Ausgangsgeschwindigkeit nach 12 Metern immer noch eine Geschwindigkeit von fast 40 km/h! Erst nach rund 32 Metern kommt sie zum Stillstand.

Ein Detail am Rande: Bei der Notbremsung einer Straßenbahn wird automatisch Sand auf die Schienen gestreut um den Reibwert zu erhöhen und insbesondere so bei feuchter Witterung den Bremsweg zu verkürzen. Der Sand ist häufig unmittelbar nach dem Unfall noch zu finden. Kurze Zeit später kann er jedoch bereits durch Fahrzeuge oder z.B. vom Wind weggeweht worden sein. Anders als die Blockierspuren eines Pkw werden die "Bremsspuren" einer Straßenbahn sozusagen vom Winde verweht.
Bild 1 vergrößern
Bild 2 vergrößern
zum Seitenanfang


Seite drucken